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Das Hotel wurde aus einem alten Speichergebäude errichtet. 1897 erstmalig in der Zeitung erwähnt, diente der Speicher bis 1993 zur Lagerung von Getreide. Das Speichergebäude war Teil der Barther Aktien–Dampfmühle und Getreidevermahlung aus dem Jahre 1896. Der landwirtschaftliche Reichtum des Küstenlandes und der Ausbau des Hafens waren der Grund, dass am Ende des letzten Jahrhunderts mehrere Speichergebäude ummittelbar am Hafen errichtet wurden. Von diesen Speichern ist der nun zum Hotel umgebaute der bedeutendste, wenn auch nicht der erste und älteste. Zusammen mit dem Speicher und der Ladebrücke stellt das Gebäude ein Ensemble aus Lagerhäusern dar, das zu den größten baulichen Strukturen der Stadt Barth gehört. Bevor an eine Sanierung des bedeutendsten Speichers im Barther Hafen gedacht wurde, stand das Gebäude mehr als fünf Jahre leer. 1993 wurde der bis dahin schlecht und recht aufrechterhaltende Speicherbetrieb endgültig eingestellt. Trotz vieler Umbauten des Gebäudes im Laufe der fast 100 Jahre seines Bestehens, blieb die äußerliche Großform fast unversehrt. Von Beschädigungen abgesehen, waren nur Rampen und Terrassen vor und an das Backsteinmauerwerk betoniert oder aufgeschüttet worden. Funktional war das rechteckige Gebäude zweigeteilt, in Lager und Schütte. Im nördlichen Gebäudeteil lagerten Maschinen, Geräte und Säcke, während das Getreide in 21 rund zwölf Meter hohen schachtartigen Behältern mit einer Grundfläche von drei mal vier Metern gespeichert wurde. Ihr trichterförmiger unterer Abschluss endete über dem Erdgeschoss. Wo früher die Abfüllung für den Weitertransport stattfand, kann man sich heute direkt unter den Abfüllrohren bewirten lassen. Jedoch fließt aus Ihnen nichts anderes als Halogenlicht auf den Teller. Das alte, bauliche Konzept des Speichers entspricht dem Prinzip von der Ökonomie der einge-setzten Mittel und ist auch, nach heutigen Maßstäben gemessen äußerst effektiv und konstruktivfunktionell: Die Fassaden aus hartgebrannten Backsteinen stehen für sich selbst und sind in ihrer Höhe gestuft ausgebildet. Entsprechend der nach oben hin abnehmenden Belastung sind die Außenwände der ersten eineinhalb Geschosse 77 cm stark, die nächsten zweieinhalb Geschosse 51 cm stark. Im letzten Geschoss betragen sie nur noch 38 cm, im Dachgeschoss 25 cm. Auf den Mauerrücksprüngen lagern die geschosstragenden Balken bzw. Eisenträger

Die 21 Silokammern „Schütten“ bzw. die „Böden“ des Sacklagers stehen als „Einrichtung“ zwischen den Außenmauern des Silos. Eine Eisenkonstruktion aus gusseisernen Säulen trägt im Silobereich die Holzkonstruktion für die 21 Trichter der Silokammern.Nach dem Kauf des Speichers durch die Speicher Barth GbR, wurde noch 1995 mit den Bauaufnahmen begonnen. Die ursprüngliche Absicht, Luxuswohnungen zu errichten, wurde in einer zweiten Planungsstufe zugunsten eines Hotels mit Restaurant, Festsaal, Weinkeller, Seminarraum und Sauna aufgegeben.   Geschossdecken wurden neu eingezogen und eine neue Grundrisseinteilung vorgenommen. Die Planung des Architekturbüros Prof. Giencke & Company ( Graz, Österreich ) respektierte die vorhandene Substanz. Der Abbruch beschränkte sich auf die Entfernung der im Laufe der Jahre errichteten Einbauten, auf die schadhafte Dachlaterne mit zwei Wasserbehältern und den Ausbau der maschinellen Einrichtung. wie Elevatoren, Sackrutschen und Trans-missionen. Obwohl diese sehr einfachen, aber sehr fein ausgeführten Konstruktionen ungeheuren Druck ausgesetzt wurden, solange die Kammern gefüllt waren, ist mit Ausnahme von größeren Beschädigungen in den obersten Silobereichen das Holz von gleichbleibender Qualität. Durch das Getreidekorn wurden die Oberflächen der sägerauhen Bretter geglättet. Sie wirken geölt und konserviert und wurden in der Folge so belassen, so fern aus installations- oder schalltechnischen Gründen keine Schalen aus Gipskarton vorgesetzt werden mussten. Die Zimmer und Suiten mit einer Wohnnutzfläche zwischen 20 und 140 m² wurden in die bestehende Silokonstruktion eingebaut, bzw. aus den Geschossflächen des Sacklagers wurden Wohnungsgrundrisse geschaffen. Die Holzkonstruktion der Silokammern ist ebenso wie das sie umgebende Mauerwerk gestuft ausgeführt. Einzelne Brettlagen aus sägerauhem Fichtenholz wurden übereinandergelegt und durch einfache Nagelungen miteinander verbunden. Der Hotelbereich ist nach der Eröffnung unseres Restaurants im Juli 1997, seit Anfang des Jahres 1998 für unsere Gäste zugänglich. Durch den behutsamen Umbau und mit Liebe zum Detail ist es gelungen, die Ursprünglichkeit des Gebäudes zu erhalten und Antiquarisches mit Modernem in Einklang zu bringen.Der ursprüngliche Speicher-Charakter ist von den Architekten und Bauherrn weitestgehend erhalten worden. Jedes der einzelnen Zimmer gibt somit ein kleines Stückchen Geschichte wieder, sei es durch die alten Schüttenwände, Verankerungen im Mauerwerk oder voluminösen Schrauben. Naturbelassene Holzwände in den „Schütten“, die hundertjährigen Ziegelsteine in den „Lagern“, die typische Fenstergestaltung, die massiven Säulen, dies sind eine zeitgenössische Dokumentation des ehemaligen Speichers. Und manchmal können Sie hören, wie noch immer das Getreide seinen Weg durch das Gemäuer und die Bretterlagen sucht… 

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